Anders glücklich sein

Das größte Glück auf Erden ist für die meisten Menschen, so viel Zeit wie möglich mit ihrem geliebten Partner zu verbringen. Doch je mobiler unsere Gesellschaft wird, desto mehr Paare müssen ihre Beziehung ihrem räumlichen Abstand anpassen und eine Fernbeziehung führen. Doch wie fühlt man sich mit einer Liebe, die vielen Entfernungskilometern standhalten muss? Das Team der Deutschen Kautionskasse sprach mit zwei Frauen, die mit der Liebe auf Abstand nach ihrer eigenen Fasson glücklich sind.

Liebe international

Laura Schnabel und ihr Freund führen eine Fernbeziehung.

Fernbeziehung: Laura Schnabel hat ihren Freund, einen Brasilianer, vor über einem Jahr in Chemnitz kennengelernt. Foto: Israel Rocha

Laura Schnabels Freund ist Brasilianer. Kennengelernt hat sie ihn vor über einem Jahr in Chemnitz. Doch dann zog er erst in sein Heimatland und anschließend nach Kanada, wo Laura ihn auch schon für zwei Wochen besuchen konnte. Laura Schnabel ist es gerade in der Fernbeziehung wichtig, dass man wenigstens eine Idee hat, wie es weitergeht: „Anfangs fehlte uns diese Idee. Doch dann haben wir mehr darüber geredet und so eine Perspektive entwickelt. Ich mache jetzt meine Bachelorarbeit im Studienfach Pädagogik mit dem Schwerpunkt allgemeine Erziehungswissenschaften. Und danach geht es dann endlich nach Kanada!“ Nach dem Umzug möchte sie in der Betreuung von schwer erziehbaren Kindern arbeiten.

Der Beruf hat uns zusammengeführt

Regina Urich berichtet über ihre Erfahrungen mit der Fernbeziehung.

Regina Urich lebte in Nürnberg, als sie in Düsseldorf ihren Freund kennenlernte. Er kam aus Hamburg. Foto: Fotostudio Unger, Nürnberg

Völlig anders hat sich die Fernbeziehung von Regina Urich entwickelt. Sie lebte in Nürnberg, als sie in Düsseldorf ihren Freund kennenlernte. Er kam aus Hamburg. „Der Abend war nicht gerade inspirierend – bis ich mich umsetzte und so meinen jetzigen Freund kennenlernte. Über die berufliche Schiene blieb er am Ball und zog nach Nürnberg. Dort lebten wir dann einige Jahre als Paar in einer gemeinsamen Wohnung.“ Doch ihr Liebster wollte beruflich vorankommen, war auf der Suche nach neuen Herausforderungen, zog in eine andere Stadt. „Das konnte ich gut verstehen. Später bin ich dann auch erst einmal zu ihm gezogen. Aber dann hat mich mein Job nach Stuttgart geführt. Und jetzt führen wir schon eine Weile eine Fernbeziehung.“

Darauf kommt es in der Fernbeziehung an

„Es ist nicht ganz einfach, die Entfernung zu überbrücken“ sagt Laura Schnabel. „Wir reden jeden Tag, meist abends. Die Zeitverschiebung von fünf Stunden macht es schwierig. Aber es ist wichtig, dass der Partner eine Rolle spielt, auch wenn er nicht dabei sein kann.“ Außerdem, so die Studentin, arbeite sie viel. Auch im Leben von Regina Urich spielt die Arbeit eine wichtige Rolle, sie ist trotz ihrer langjährigen Beziehung sehr eigenständig. „Ich bin nicht die Frau, die ständig Kontakt zu ihrem Partner haben muss. Ich mag auch noch andere Menschen. Aber natürlich tauschen auch wir uns häufig über Facetime oder Whatsapp aus. Aber das ist eher eine unausgesprochene Übereinkunft. Oder wir telefonieren. Aber wenn ich abends etwas vorhabe, dann halten wir es auch aus, mal nicht miteinander zu sprechen.“

Fernbeziehungen – und ihre Besonderheiten

Was ist das Besondere an einer Fernbeziehung? Regina Urich glaubt, dass sie die gemeinsame Zeit sorgfältiger plant. „Ich weiß, wann er kommt, und dann habe ich eben ein paar Sachen organisiert. Ich plane sorgfältiger. Etwa einen Ausflug ins nahe Frankreich. Aber es sind auch ganz praktische Dinge, etwa dass man vorbereitet ist, auch was die Freizeit anbelangt und seine Wanderschuhe nicht vergisst. Ich mache mir da schon Gedanken, bewusster als früher.“

Und wie ist es mit der Eifersucht?

„Auf andere Frauen bin ich nicht eifersüchtig“, berichtet Laura Schnabel, „da vertraue ich ihm hundertprozentig. Aber manchmal bin ich neidisch auf die Menschen die mit ihm zusammen sein können, da es in unserer Beziehung bei der großen Entfernung schwierig ist und wir deshalb nicht viel Zeit mit einander verbringen können. Wir haben darüber geredet und das hat es wieder einfacher gemacht.“

Zukunftspläne in der Fernbeziehung

„Am wichtigsten ist die Perspektive. Kleine Ziele, wann man sich wiedersieht, die sind mir wichtig. Wir haben uns alle drei Monate wieder gesehen. Und jetzt ist mein Umzug nach Kanada mein nächstes Ziel – neben dem Bachelor-Abschluss“, sagt Laura Schnabel. Regina Urich traut sich zu träumen: „Paris, das wäre natürlich toll. Aber es gibt keine konkrete Planung für eine Veränderung. Wir haben uns gut eingerichtet in unserer Lebenssituation. Doch ich weiß, es kommen auch wieder andere Zeiten. Die Dinge ändern sich von Zeit zu Zeit.“